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Presse

Die Ev. Familien-Bildungsstätte ist aktiv im Netzwerk "Evangelische Bildung im Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt". Pressemitteilung vom 01. November 2016 des Fachtags: Was glaubst du? Ansätze interreligiösen Lernens in der Bildungsarbeit.

Bild: Michaela Grön, Koordinatorin Evangelische Bildung im Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt, begrüßt rund 65 Teilnehmende zum Fachtag Interreligiöses Lernen in der Dombibiliothek. Foto: Jochen Grön

 


Pressebericht vom Küchengespräch am 25.05.: "Integration von Flüchtlingen- Praxis in Stadt und Landkreis" (Juni 2016)


Pressebericht vom neuen Bildungs-Reiseführer der evangelischen Bildung des Kirchenkreises Hildesheim-Sarstedt (Juni 2016)


Pressebericht: Trauer kann nicht warten (Ende Jan. 2016)

Offene Gruppe trauernder Angehöriger in der Evangelischen Familienbildungsstätte macht mit neuer Leitung weiter

Hildesheim. „Das mir der Trauerarbeit hatte ich eigentlich gar nicht vor“, sagt Siegrun Visbeck-Rompel. Sie kümmerte sich um Sterbende – schon vor mehr als 20 Jahren, in Sarstedt, als eine der ersten in der Region. Das Wort Hospizarbeit war damals so gut wie unbekannt, Siegrun Visbeck-Rompel hat sie mit aufgebaut. „Aber die Angehörigen“, fährt sie fort, „fragten ganz oft: ,Können wir in Kontakt bleiben?’ Und dann wurde Trauerarbeit daraus.“ Seit 2004 hat die gebürtige Schwäbin die Gruppe für Trauernde in der Evangelischen Familien-Bildungsstätte (EFB) Hildesheim begleitet. Nun gibt sie den Stab weiter: An Friedrich Riebau, der eine jahrzehntelange Erfahrung in der Beratung und Therapie von Kindern und Erwachsenen mitbringt.

„Wir sind so lebensanfangslastig“, habe die damalige Leiterin der Familien-Bildungsstätte als Begründung genannt, eine Trauergruppe einrichten zu wollen, erinnert sich Siegrun Visbeck-Rompel. Inzwischen habe sich das geändert, fügt die heutige Einrichtungsleitung Magdalene Martensen an: „Das Alter rückt immer mehr in den Fokus von Familienbildung.“ Neben Hospiz- und Trauerarbeit sei die Fortbildung von Ehrenamtlichen zur Begleitung von Demenzkranken ein wichtiger Aspekt.

„Das ist eine leise Gruppe, da hängt nirgendwo ein Plakat“, sagt Magdalene Martensen über die Gruppe trauernder Angehöriger. Eine Folge davon ist freilich, dass das Angebot wenig bekannt ist und sich bei den 14-tägigen Treffen oft nur eine kleine Runde einfindet. „Es können gut ein paar dazu kommen“, findet Friedrich Riebau.

Das ist eine Besonderheit an der Gruppe in der EFB: Neue Mitglieder sind immer willkommen. Ähnliche Angebote in der Region seien meist als geschlossene Gruppen  konzipiert, die sich für eine abgegrenzte Kurszeit treffen und dann wieder auflösen, erklärt Siegrun Visbeck-Rompel. So habe auch sie ursprünglich begonnen. „Aber es kamen viele Anfragen zwischenzeitlich, und ich habe gelernt, dass Trauer nicht warten kann“, so die 72-Jährige. Deshalb habe sie ein offenes und fortlaufendes Angebot ins Leben gerufen, obwohl das für sie deutlich schwerer zu moderieren sei.

Offen und kontinuierlich ist die Gruppe bis heute. Nach der Begrüßung und einer Meditation folgt zunächst eine „Obenauf-Runde“: Was beschäftigt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gerade? Vielleicht taucht hier etwas auf, das zum Kernthema des Abends wird, oder die Leitung setzt einen anderen Akzent. „Es geht vor allem darum, die Teilnehmer anzuregen, zu erzählen“, sagt Friedrich Riebau. Ob es nun um die aktuelle Situation oder Erfahrungen und Erlebnisse der Vergangenheit geht: Das Reden sei ein entscheidender Punkt. Wenn die Sprache versagt, können manchmal Bilder helfen. Oder gemeinsame Aktivität. „Das Heilendste ist das Erleben der Trauer untereinander“, weiß Siegrun Visbeck-Rompel.

Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer geht es um das Verarbeiten eines großen Verlusts. Die Begleitung der Gruppe sei aber keine traurige Arbeit, sind sich Friedrich Riebau und Siegrun Visbeck-Rompel einig. „Ich wüsste keine besseren Lehrmeister fürs Leben als Sterbende und Trauernde“, sagt die Rentnerin.

Interessierte können sich unter der Telefonnummer 05121/131090 oder per Mail via familie(dot)hildesheim(at)evlka(dot)de melden. Vor dem Einstieg in die Gruppe findet ein Einzelgespräch mit Friedrich Riebau statt. „Die kirchliche Angebundenheit ist keine Voraussetzung, auch die Konfession nicht“, betont  Magdalene Martensen.

Autor: Ralf Neite 


Pressebericht Küchengespräch "Männer" am 13. Januar 2016:

Männer über Männer

Kirchenvertreter im Küchengespräch der Evangelischen Familienbildungsstätte


Hildesheim. Der Abend beginnt mit einem Klischee: Männer und Küche, passt das zusammen? Denn heute Abend sitzen vier Männer genau dort, in der Küche der Evangelischen Familienbildungsstätte in Hildesheim. Thema eigentlich: „Wo sind die Männer bei den Ehrenämtern in den Kirchengemeinden?“ Doch darüber wird am Ende des Abends wenig gesprochen worden sein. Stattdessen zückt Moderator Horst-Dieter Büshel, Referent für Männerarbeit im Haus kirchlicher Dienste Hannover, eine Umfrage, durchgeführt von RTL: Was haben Männer typischerweise im Kühlschrank? Das Ergebnis: Das gleiche wie Frauen. Butter, Brot, Aufschnitt. An achter Stelle taucht Bier auf, an zehnter Stelle, völlig unverständlich, Sekundenkleber.

 

Zu Beginn sollen die Gäste „persönliche Einblicke in Männerwelten“ geben, wie Büshel das formuliert. Helmut Aßmann, Oberkirchenrat der Landeskirche Hannover, berichtet aus seiner Zeit als Rekrut bei der Bundeswehr, Ende der 1970er Jahre. Er erinnert sich an eine nächtliche Schießübung. „Männer mögen, wenn es knallt“, sagt Aßmann, „ich war – zu meiner eigenen Überraschung – fasziniert, das war von unheimlicher Kraft.“ Auch die „Psychodynamik zwischen neun testosteronschwangeren Jungs“ in einem Zimmer habe ihn beeindruckt. Eine überaus intensive Form von Gemeinschaft; eine Frau hätte da alles durcheinandergebracht.

 

Peter Meißner, langjähriger Bildungsreferent bei mannigfaltig e. V., einer Beratungsstelle für Jungen und Männer in Hannover, arbeitet mit seinen Klienten daran, eine Haltung zu Männlichkeit zu entwickeln. „Das Bild, wie Männer sein sollen, bedroht die Männer“, diagnostiziert Meißner. Er leite Jungen und Väter an, gemeinsam Zeit miteinander zu gestalten, auch über Gefühle zu sprechen. Das gehe am besten, wenn sie aktiv werden, zum Beispiel beim Baumhausbau.

 

Manfred Hallwaß, Pastor im Ruhestand und Initiator der Veranstaltungsreihe „Nur für Männer“ in Nordstemmen, erkennt eine andere Problematik. Männern falle es schwer, in der Kirche aktiv zu werden. Das liege vor allem daran, dass zu wenig Angebote vorhanden seien, bei denen aktiv mitgestaltet werden könne, beispielweise bei Gartenarbeit oder Bauprojekten. „Ich dachte, wir müssen da was machen“, erinnert sich Hallwaß. Seit fünf Jahren trifft sich die Männer-Runde regelmäßig. Zum Programm gehören ein Vortrag, ein gemeinsames Essen, meist Schlachteplatte, und ein geistlicher Impuls. Mit Erfolg: Rund 50 Männer kommen regelmäßig.

 

Warum Männer im kirchlichen Ehrenamt kaum präsent sind und was dagegen zu tun sei, klärt die Diskussion nicht. Die Aussage eines Sprechers der Landeskirche Hannovers, die Zukunft der Kirche sei weiblich, hält Helmut Aßmann für „unvorsichtig“. Obwohl der überwiegende Teil der Theologiestudierenden heute weiblich ist, sei nicht ausgemacht, wie lange dieser Trend anhält. Es sei auch kein Zufall, betont Aßmann, „dass Männer gerne die oberen Ränge bekleiden“. Männer, so seine These, sind stark, setzen sich durch, sind widerständig.

 

Eine Herausforderung sieht Aßmann darin, Männerinteressen oder -traditionen nicht als bloße soziale Zuschreibungen herabzuwürdigen. Wichtig sei ein produktiver Umgang mit Geschlechterunterschieden. Diese Unterschiede unsichtbar machen zu wollen, sei nicht hilfreich. Aßmann schließt mit dem schlüssigen Bild von Yin und Yang. Hier sei Einigkeit in Abgrenzung repräsentiert. Wie sich Rollenbilder weiterentwickeln und welche Qualitäten sich daraus auch für eine kirchliche Arbeit ergeben, spielte an diesem Abend keine Rolle.   Christoph Möller

 

                                                        

 

Warum es Hamburger zu Essen gibt?                                                                                   Das Podium: Horst Büshel, Helmut Assmann, Manfred Hallwaß, Peter Meißner

„Weil das Gegrilltes ist“, sagt Koch Matthias Fugger. 

 


 


 

 

 

 

 

 

 

Vereint im Wimmelbild

Beim Aufbau einer evangelischen Bildungslandschaft hilft auch die Berliner Gruppe 123comics mit

 

Hildesheim. Studierende im Wüstensand, KonfirmandInnen im Schlafsack, Mütter in einer Baby-Stillgruppe, Senioren am PC: Evangelische Bildungsarbeit hat extrem unterschiedliche Gesichter. Jetzt sollen alle zueinander finden – auf einem großen Comic-Wimmelbild, an dem die Berliner Zeichnerin Imke Schmidt  arbeitet. Aber auch in Realität: Der im Herbst vorigen Jahres gegründete Bildungsbeirat treibt den Aufbau einer evangelischen Bildungslandschaft im Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt voran.

Ein halbes Jahr nach seiner Gründung traf sich der Beirat in der Universität Hildesheim zu einer ersten Zwischenbilanz. Prof. Dr. Martin Schreiner vom Institut für evangelische Theologie begrüßte Fachleute aus unterschiedlichsten Sparten von der Kinder- und Jugendarbeit über Schule, Studierendengemeinde oder Diakonie bis zur Erwachsenenbildung im erst kürzlich fertig gestellten Neubau am Universitätsplatz.

Den ersten Schritt beim Aufbau einer Bildungslandschaft präge der Wunsch nach einem Gesamtüberblick, sagte Michaela Grön, Bildungskoordinatorin im Kirchenkreis. Rund 20 evangelische Institutionen sind im Bildungsbereich aktiv, noch breiter wird die Palette durch die Arbeit in den evangelischen Kitas oder der ReligionspädagogInnen in den Schulen. Es gibt bereits viele Kooperationen, auch zu PartnerInnen außerhalb der Kirche, doch zum Teil wissen die einzelnen AkteurInnen nur wenig voneinander. Eine bessere Vernetzung ist daher eines der wichtigsten Ziele des Projekts.

Mit einem Online-Fragebogen soll zunächst eine Bestandsaufnahme durchgeführt werden, sagte Michaela Grön. Sie soll die Grundlage liefern, um die interne und externe Kommunikation zu verbessern. In der Folge wird es darum gehen, alte Verbindungen zu stärken und neue zu schaffen, Synergien zu nutzen, das Profil evangelischer Bildung präziser zu formulieren. Am Ende dieses Prozesses, der noch auf drei weitere Jahre angelegt ist, sollen Bausteine zum Aufbau einer evangelischen Bildungslandschaft entstehen, die auch andere Kirchenkreise in der Landeskirche nutzen können.

 

 

Den BesucherInnen der Bugenhagen-Hochschule auf den Mund geschaut.

 


 

Der Bildungsbeirat des evangelischen Kirchenkreises Hildesheim-Sarstedt studiert die ersten Entwürfe der Zeichnerin Imke Schmidt.

 

Parallel zur Bestandsanalyse laufen auch schon konkrete Projekte wie die Neukonzipierung der Bugenhagen-Hochschule oder die wissenschaftliche Begleitung des Patenprojekts an der Oskar-Schindler-Gesamtschule in Hildesheim – und eben die Bebilderung der Bildungsszene.

Hierfür hat Michaela Grön nun Imke Schmidt von der Berliner Gruppe 123comics engagiert. Während der Bildungsbeirat seine Tagesordnung abarbeitete, zeichnete Imke Schmidt live einige Szenen aus dem Alltag, die ihr die Beiratsmitglieder zu Beginn der Sitzung vorgeschlagen hatten. Innerhalb einer Stunde entstanden acht Skizzen zu einem Prädikanten beim Predigtcoaching, zu einem Vormittag im Weltkindergarten oder der konzentrierten Arbeit im Reli-Unterricht. Und eine Gruppe von BesucherInnen der Bugenhagen-Hochschule stellt sich gerade die Frage: „Sind wir denn jetzt schon Senioren?“

Die Skizzen und viele weitere Bilder werden später Teile des Wimmelbildes sein, das als Plakat veröffentlicht werden soll. Martin Luther darf dabei natürlich nicht fehlen. Für sein Konterfei hat die Playmobil-Figur Pate gestanden.                                                    Ralf Neite

 

 

Nicht Belastung, sondern Herausforderung

Küchengespräch in der Evangelischen Familienbildungsstätte zur Flüchtlingsarbeit in Hildesheim am 25.02.2015

 

Hildesheim. Der Duft von Gebäck weist den Weg in die Küche der Evangelischen Familienbildungsstätte im Zwölf-Apostel-Weg. Magdalene Martensen begrüßt die Gäste mit Bananenmuffins und Getränken. Die Leiterin der Bildungsstätte hat zum „Küchengespräch“ erneut eingeladen, Thema sind diesmal die Flüchtlinge in Hildesheim. Die Küchengespräche finden dreimal im Jahr statt. Denn, so Mgdalene Martensen: „In der Küche sind die Gespräche doch immer am besten.“


 Kuechengespraech

 

„Angekommen - und wie geht's weiter?“ ist der Abend überschrieben. Fünf Fachleute geben Einblicke in die Flüchtlingsarbeit. Der Titel zeigt: Wer aus  seinem Heimatland flüchtet, und ankommt in einer Stadt, weiß noch lange nicht, wie es weitergeht. Es ist komplizierter. Wer in Deutschland Asyl beantragt, wird nach einem Schlüssel auf die Bundesländer verteilt. Diese leiten die Menschen weiter in die Kommunen. Je größer die Kommune, desto mehr Flüchtlinge werden ihr zugewiesen. In Hildesheim bekommen derzeit 479 Asylsuchende Leistungen von der Stadt.

 

Uwe Wedekind, Geschäftsführer vom Flüchtlingsverein Asyl e.V., betreut seit über 20 Jahren Flüchtlinge. Er sagt, die Chancen, in Deutschland bleiben zu dürfen, seien für die meisten sehr gering. Viele müsse er darauf vorbereiten, dass sie wieder in ihr Heimatland zurückkehren. Nur: „Diese Menschen hatten massive Gründe, ihr Land zu verlassen. Sie haben sich mit einem Rückkehrgedanken nicht auseinandergesetzt.“

Kuechengespraech 

Alle, die den Weg nach Hildesheim finden, landen als Akte auf dem Schreibtisch von Jürgen Blume und seinem Team. Blume ist zuständig für die Unterbringung der Flüchtlinge. Diese wohnen zunächst in einer Gemeinschaftsunterkunft. Nach etwa sechs Monaten ziehen sie in dezentrale Wohnungen, die die Stadt anmietet. „Integration kann nur stattfinden, wenn die Menschen auf die Stadt verteilt werden“, sagt Blume. Er arbeitet eng zusammen mit Alexey Ponomarev von der VHS, die Sprachkurse anbietet für Flüchtlinge. Die Frage der Finanzierung ist eine Herausforderung. In den ersten 15 Monaten in Deutschland haben Asylsuchende keinen Anspruch auf staatliche Sprachförderung.

 

Beim Integrationsprozess hilft auch das Engagement der Kirche. Christiane Aßmann eröffnet mit einem ökumenischen Unterstützerinnenkreis einen Gruppenraum für offene Angebote und Treffen im Flüchtlingsheim. Am 18. März soll es losgehen.

 

Spenden für Flüchtlinge kommen meist in der Pfarrgemeinde Guter Hirt an. „Wir mussten extra vier Seecontainer anmieten, um die Spenden verstauen zu können“, sagt Diakon Andreas Handzik. Seine Gemeinde verteilt auch Lebensmittel an Bedürftige. Vor zwei Jahren lag die Zahl der Lebensmittelausweise bei 480. Im Januar dieses Jahres schon bei 1050. „Die Bedürftigen werden immer mehr“, sagt Handzik. „Wir brauchen Lebensmittel.“ Fast ebenso dringend benötigt werden Kinderwagen und Koffer, weil der Weg der Flüchtlinge in der Erstunterkunft erst anfängt.

 

Obwohl es keine zentrale Stelle gibt, die Flüchtlinge in Hildesheim betreut, arbeiten die Akteure zusammen. Sie vernetzen sich, um einen menschlichen Umgang zu gewährleisten. Dabei sind sie auf die Hilfe von Ehrenamtlichen angewiesen. Wer helfen möchte, solle sich unbedingt melden, so der Tenor des informativen Abends. Jürgen Blume fasst zusammen: „Wir sehen diese Menschen nicht als Belastung, sondern als Herausforderung, der wir uns gerne stellen.“                     

Christoph Möller

Wenn Sie weitere Fragen haben oder Informationen brauchen, können Sie sich gerne an Magdalene Martensen

unter 05121 / 10 29 79 wenden.

 


 

Pressebericht über Küchengespräch am 15. Oktober 2014

Zwischen Offenheit und Beliebigkeit

Was bedeutet Familie in der Kirche?


Küchengespräch in der Evangelischen Familienbildungsstätte

Hildesheim. Die klassische Familie, bestehend aus verheirateten Eltern mit Kind, ist noch immer am weitesten verbreitet. Doch daneben gibt es zunehmend andere Lebensgemeinschaften, in denen Kinder aufwachsen: Patchworkfamilien, Alleinerziehende, Lebenspartner ohne Trauschein, gleichgeschlechtliche Paare. Wie soll und kann die Kirche mit dieser veränderten Wirklichkeit umgehen? Dieser Frage widmete sich das Küchengespräch in der evangelischen Familienbildungsstätte. Der Konflikt spiegelte sich im Titel des Abends: „Familien in Vielfalt stärken, ja!...aber wie heilig ist die Ehe?“

 

Zurzeit diskutieren Bischöfe aus aller Welt im Vatikan das Familienbild der katholischen Kirche. Eine Diskussion, die äußerst kontrovers geführt und aufmerksam beobachtet wird – auch von Menschen, die sich für kirchliche Belange sonst nicht interessieren. Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland hat im vergangenen Jahr mit einer Orientierungshilfe zur „Familie zwischen Autonomie und Angewiesenheit“ ebenfalls heftige Gegenreaktionen hervorgerufen. Dass alle Menschen in der Kirche freundlich aufgenommen werden sollen, dass Seelsorge, Rat und Begleitung für jeden da sein sollen, darüber besteht Einigkeit. Darüber hinaus gibt es offensichtlich noch viel Gesprächsbedarf.

 

Dem stellten sich in der Evangelischen Familienbildungsstätte deren Leiterin Magdalene Martensen, Superintendent Helmut Assmann, die Leiterin der Katholischen Familienbildungsstätte Gabriele Bonnacker-Prinz und Axel Sommerfeld, Pastor der Freien evangelischen Gemeinde. Die Schöpfungsgeschichte ordne Mann und Frau einander zu und daraus habe die Kirche einst als ordnungspolitische Macht absolute Regeln abgeleitet, erklärte Superintendent Helmut Assmann. Die lutherische Auffassung, die den Glauben und die persönliche Beziehung zu Gott an erste Stelle rücke, habe einen liberaleren Umgang mit diesen Regeln möglich gemacht. Martin Luther habe die Ehe ein „weltlich Ding“ genannt: „Das heißt aber nicht, dass sie beliebig ist“, betonte Helmut Assmann.


Kuechengespraech

 

Gabriele Bonnacker-Prinz, Helmut Assmann, Magdalene Martensen und Axel Sommerfeld (Foto: Barth)

 

Für Katholiken sei die Ehe ein Sakrament, „ein sichtbares Zeichen einer unsichtbaren Gnade“, so Gabriele Bonnacker-Prinz. Das mache Änderungen schwierig. Das ungelöste Problem, ob Geschiedene nach ihrer Wiederverheiratung die Kommunion empfangen dürften, verdränge andere wichtige Fragen. In vielen Gemeinden werde die Kommunion diesen Gläubigen keineswegs verweigert. Trotzdem sei es für sie sicherlich nicht angenehm, in dem Wissen mitzufeiern, dass ihr Recht darauf umstritten sei. Ähnlich ergehe es wohl gleichgeschlechtlichen Paaren: Selbst wenn sie in der Gemeinde herzlich aufgenommen würden, sei ihnen doch die ambivalente Haltung der Kirche ihrer Lebensweise gegenüber bewusst.

 

Die enge Verbundenheit miteinander schaffe in der Freien evangelischen Gemeinde ein Netzwerk, das Familien jeder Art einbeziehe, erläuterte Pastor Axel Sommerfeld. Ein gemeinsames Frühstück vor dem Gottesdienst oder Kinderbetreuung während einer Veranstaltung komme Alleinerziehenden entgegen. So bleibe man miteinander im Gespräch. „Gott liebt alle Menschen, aber nicht alles, was sie tun“, sagte Axel Sommerfeld. Der Glaube jedoch, so meinte er, könne beispielsweise bei gleichgeschlechtlichen Paaren den Blick auf sich selbst und das Leben verändern. Schließlich trage auch die Lebensgeschichte zur Entwicklung der sexuellen Ausrichtung bei.

 

Diese Annahme rief allerdings leidenschaftliche Gegenrede aus dem Publikum hervor. Das klinge so, als sei Homosexualität eine Krankheit oder anerzogen, wandte eine Pastorin ein. Das gebe homosexuellen Frauen und Männern das Gefühl: „Du bist hier nicht richtig.“ Eine andere Zuhörerin kritisierte die Empfehlung der katholischen Kirche an Wiederverheiratete, sie sollten in der Nachbargemeinde zur Kommunion gehen, wo sie niemand kenne: „Da trampelt man auf einer Christenseele herum.“

 

„Sobald man eine Norm setzt, entsteht das Problem: Wie geht man trotzdem wertschätzend mit denjenigen um, die der Norm nicht entsprechen“, meinte Gabriele Bonnacker-Prinz. Helmut Assmann warnte davor, den manchmal weltfremd erscheinenden Bemühungen der katholischen Kirche, die Ehe „als heilig empfundenes Element zu schützen“, mit Hohngelächter zu begegnen. Es sei zwischen der seelsorgerischen und der ordnungspolitischen Sicht zu unterscheiden. Natürlich dürfe jeder kommen, aber das Leitbild der Kirche bleibe die Familie als Mann, Frau und Kind.                                              

Wiebke Barth

 


 

Neue Leitungen fürs große Netz

Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt gründet Bildungsbeirat und startet Aufbau einer Evangelischen Bildungslandschaft

Hildesheim. Bildung ist ein Kernthema in der evangelischen Kirche in Hildesheim und Umgebung. Von der Kita über die Schule und Jugendarbeit bis zur Hochschule und Angeboten für erwachsene Menschen reicht das Spektrum. Der Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt hat es sich nun zur Aufgabe gesetzt, all das besser zu vernetzen und zu koordinieren. Ein neuer Bildungsbeirat soll dabei helfen, einer evangelischen Bildungslandschaft Konturen zu verleihen.

„Es gibt bestehende Netzwerke, in denen die Akteure intensiv und gut zusammenarbeiten, wie zum Beispiel das Netzwerk diakonische Bildung“, sagt Michaela Grön, Koordinatorin für den Aufbau der evangelischen Bildungslandschaft. „Aber es gab bislang noch nicht diesen Bezugsrahmen aller evangelischen Bildungsträger“, fügt sie hinzu. Sie vergleicht die Bildungslandschaft gerne mit einem großen Stromnetz: „Viele Lämpchen an den Kontaktstellen glühen schon, manche brauche nur angeknipst zu werden. Und manche Leitungen sind noch nicht gelegt, die aber sinnvoll wäre.“

Den Netzausbau soll der neue Beirat mit vorantreiben. Zu den Mitgliedern gehören die Leitungen von Kirchenkreis, Andreanum, Michaeliskloster, Kindertagesstätten, Familienbildungsstätte, Literaturhaus St. Jakobi, Kirchenamt, Diakonischem Werk, dazu VertreterInnen des Kirchenkreisvorstands, der Universität und der Studierendengemeinde, der Diakonie Himmelsthür, des Kirchenkreisjugenddienstes, der Bugenhagenhochschule, dazu Kirchenkreiskantor, Schulpastorat, Missionarische Bildung und Evangelische Erwachsenenbildung.

Bildungsbeirat

Die Mitglieder des neuen evangelischen Bildungsbeirats repräsentieren an die 20 Institutionen. (Foto: Neite)

Es ist das erste Mal, dass all diese EinrichtungsleiterInnen und ExpertInnen an einen Tisch kommen, um strukturelle und inhaltliche Weichenstellungen für die Zukunft zu besprechen. Michaela Grön ist beeindruckt von der großen Bandbreite der Kompetenzen und Institutionen wie auch von den kreativen und innovativen Akteuren: „In der Gesamtschau wird deutlich, welches Gewicht evangelische Bildung in der Gesellschaft hat.“ Ihre Aufgabe ist es nun, aus dem großen Portfolio die Leitlinien für die nächsten Jahre herauszuarbeiten.

Ralf Neite

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                     

 

 

 

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