Ihren Ursprung hat die Familien-Bildungsstätte in der Mütterschule, deren Konzept auf Friedrich Fröbel zurückgeht. Bereits im Jahre 1840 machte dieser den Vorschlag zur Gründung einer Bildungsstätte für Mädchen, Frauen und Mütter. Vorbereitung auf die Mutterfunktion, Anleitung zur Erziehung und Ausbildung zur Kinderpflegerin sollten die Bausteine sein.
Das Konzept Fröbels wurde allerdings erst im Jahre 1917 von Luise Lampert umgesetzt, die in Stuttgart die Leitung der ersten Mütterschule Deutschlands übernahm. Eigene Erlebnisse als Kindergärtnerin, sowie die Konfrontation mit der Säuglingssterblichkeit und der Situation alleinerziehender Soldatenfrauen bewegten sie zu diesem Schritt, wobei die hohe Säuglingssterblichkeit einen sehr ausschlaggebenden Aspekt darstellte. Die Vermittlung von Kenntnissen über Schwangerschaft und Geburt, sowie Pflege und Erziehung des Säuglings und Kleinkindes umfassten das Aufgabengebiet der Mütterschule.
In den 20er Jahren wurde das Bildungsangebot der Mütterschule ständig erweitert. Intensive Öffentlichkeitsarbeit von Luise Lampert trug dazu bei, dass die Idee verbreitet und weitere Mütterschulen gegründet wurden. Zu dieser Zeit hatten diese neben dem Bildungsangebot auch die Funktion zur Ausbildung als Kinderpflegerin.
Im Jahre 1932/33 wurden weitere Kurse in den Bereichen Erziehung, häusliche Krankenpflege, Diätküche, Gymnastik, usw. angeboten. Dabei fanden die Wünsche der Teilnehmerinnen Berücksichtigung. Die Arbeit der Mütterschulen wurde dezentralisiert, und es entstanden Wanderkurse auf dem Lande, denn für außerhalb der Städte lebende Frauen waren der Zeitaufwand und die Fahrtkosten sonst zu hoch.
Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden die Mütterschulen stark gefördert und 400 neue gegründet. Allerdings stand hier nun nicht mehr die seelische und geistige Förderung des Menschen im Vordergrund, und staatliche Organisationen übernahmen die Erziehungsfunktion. Die Mütterschulen wurden nun als Möglichkeit gesehen, das Frauen- und Mutterbild der nationalsozialistischen Ideologie zu verbreiten. Die Leiterinnen hatten einen Nachweis darüber zu erbringen, dass sie dem ideologischen Bild der Nationalsozialisten entsprechend treu sind.
Nach Ende des zweiten Weltkrieges wurden die Mütterschulen aufgelöst, weil sie als nationalsozialistische Bildungsstätten angesehen wurden. Doch evangelische und kommunale Träger, und in den 50er Jahren auch die katholischen Träger, begannen schon bald danach mit neuen Gründungen von Mütterschulen.
Es ging zu dieser Zeit darum, Mütter in ihrer Situation als Alleinerziehende und in seelischer und materieller Not Unterstützung zu bieten. Der Schwerpunkt, der vorher in den Bereichen der Pflege und Erziehung lag, verlagerte sich nun auf Koch- und Nähkurse. Väter fanden sich selten in der Mütterschule ein. Sie waren zwar willkommen, aber vom Charakter her sollte die Mütterschule für Mütter und Frauen da sein.
Die vorbeugende Fürsorge und die präventive Bildungsarbeit am Kind bildeten nun die Aufgabe der Mütterschulen.
Mit der Verbesserung der Lebensverhältnisse veränderten sich die konzeptionellen Grundlagen der Mütterschulen. Das Motto lautete nun „Hilfe zur Selbsthilfe“.
Die Rolle der Frau wurde immer noch als Mittelpunkt der Familie gesehen, und das Ziel war nun, die Frauen zu einer „mütterlichen Persönlichkeit“ herauszubilden.
In den 60er und 70er Jahren wandelte sich das Frauen- und Familienbild und dadurch auch die Bezeichnung der Einrichtung „Mütterschule“ zu „Familien-Bildungsstätte“. Das führte zu einer Änderung des Bildungsangebotes und einer Erweiterung des Adressatenkreises. Kinder und Väter wurden verstärkt angesprochen und die Frau nicht mehr allein als Mittelpunkt der Familie gesehen. Themenschwerpunkte bildeten sich nun aus gesellschaftlichen Zusammenhängen und deren Auswirkungen auf die Familie und die Partnerschaft von Frau und Mann. Die Kursangebote bezogen sich sowohl auf Themen, die die Familie betreffen, als auch auf Themen, die unabhängig von der Familie sind. Damit stieg auch die Teilnahme von Kindern und Männern an
In den 80er Jahren entstanden in den Familien-Bildungsstätten viele Selbsthilfegruppen. Die Angebote wurden unter anderem aus dem Familienalltag bezogen und fanden in offenen Formen statt. Wie z.B. „Club“ oder „Treff“.
Die Interessen und Bedürfnisse der Teilnehmerinnen und nun auch verstärkt der Teilnehmer wurden intensiv mit in die Programmgestaltung einbezogen. Das Angebot an Eltern-Kind-Gruppen wuchs. Zudem entstanden Motivierungs- und Orientierungskurse für Frauen nach der Familienphase.
Seit dieser Zeit hat sich das Angebot an Kursen stets erweitert und bezieht sich längst nicht mehr nur auf die Interessen von Müttern.